Schätze aus den Pfarrarchiven...

Das Diözesanarchiv Innsbruck und die Pfarrarchive dokumentieren die Geschichte der katholischen Kirche in großen Teilen des Bundeslands Tirol. Während in den Pfarrarchiven die Überlieferung bis weit ins Mittelalter zurückreicht, beginnen die Bestände im Diözesanarchiv im 20. Jahrhundert.

Einblicke in die Regionalgeschichte

Archivalien in den Pfarrarchiven sind ein Fenster in die Vergangenheit von Gemeinden und teilweise ganzen Tälern. Die Urkunden, Urbare, Rechnungs- und Bruderschaftsbücher dokumentieren neben religiösen, ganz weltliche Dinge. Erbschaften, Verkäufe, Forst- und Almstreitigkeiten stehen neben Altarweihen und Messstiftungen. Sie geben Einblicke in den Alltag, überliefern zahlreiche Namen und zeigen (über)regionale Vernetzungen auf.

Adelige wie Claudia de Medici, Kaiser Maximilian oder Sigmund der Münzreiche sind ebenso dokumentiert wie Kirchenmänner von Päpsten und Kardinälen bis zum „Dorfpfarrer“. Greifbar werden aber auch viele einfache Menschen in den Dörfern und Tälern. Sie sind ein Fenster in die Regionalgeschichte.

Ein Beispiel ist eine Kaufurkunde aus Volders vom 31. März 1680. Genannt werden Jacob Angerer als Wagner, Caspar Riedlinger als Bäcker und Matheus Haslmayr als Wirt in der Unterländer Gemeinde. „Diese Informationen sind für uns heute interessanter als der Kauf eines Gartens, um den es eigentlich in der Urkunde ging“, meint Martin Kapferer, Leiter des Diözesanarchivs schmunzelnd.

Ganz Alltägliches findet sich in den Urkunden, so reserviert Wolfgang Laimgruber aus Jenbach im März 1586 „…die halbe Alpe Gräsperg samt halben Kessel und Käszeug“.

Doch auch außergewöhnliche Ereignisse sind nachvollziehbar wie der Weg der Reliquie eines Märtyrers aus Rom ins Außerfern. Oder die Anweisung von Herzog Leopold III. an seine Untergebenen 1398, den Pfarrer von Baumkirchen zu beschützen.

Von Brügge ins Silzer Pfarrarchiv

Im Pfarrarchiv Silz gibt eine Urkunde Einblicke in die europäische Geschichte. Erzbischof Johannes in Brügge beurkundet die Abschrift einer Urkunde Karls V. vom 2. September 1532 aus Regensburg mit der der Kaiser für treue Dienste bei seiner Schwester Maria, zwei lebenslange Renten gewährt. Seine Schwester war Königin von Ungarn und Böhmen sowie Statthalterin der Niederlande. Warum diese Urkunde hierher kam ist bis heute unklar. Schon 1888 stellten die Archiv-Berichte aus Tirol diese Frage.

Rechnungsbücher und Urbare.

Überregionale Bedeutung haben auch die Raitbücher aus Schwaz. Sie stammen aus der dritten Bauphase der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt ab 1490. Sie ist eine der wenigen vierschiffigen Kirchen in Europa. Die Rechnungsbücher geben nicht nur Einblicke in Baugeschichte, sondern in Lebensverhältnisse in der Bergbaustadt von europäischer Bedeutung.

Gemeinsam mit Urbaren sind Rechnungsbücher wichtige Quellen für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Ordnungen aus den Pfarrarchiven übernommen

Die Diözese Innsbruck gliedert sich in 69 Seelsorgeräume, 16 Dekanate und 291Pfarren und Seelsorgeeinheiten (Pfarren, Exposituren, Kaplaneien, Seelsorgestellen,…). Manche können auf eine lange Geschichte zurückblicken. Andere wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet.

Das Digitale Archiv möchte einen Blick in die Pfarrarchive ermöglichen. Ausgewählte Bestände wie Urkunden, Urbare, Rechnungs- oder Bruderschaftsbücher werden für Interessierte online gestellt. Dabei bemühen wir uns um eine representative Auswahl, so dass die Archivalien aus möglichst vielen Teile der Diözese Innsbruck stammen. Im Digitalen Archiv ist aber nur ein Bruchteil der Bestände der Pfarrarchive und des Diözesanarchivs online.

Die Zuordnung von Archivalien zu verschiedenen Kategorien wie Urkunde oder Handschriftliche Bücher wird aus Archivverzeichnissen übernommen. Ähnliche Dokumente sind in verschiedenen Pfarrarchiven verschieden abgelegt. So sind Urbare sowohl unter Urkunden als auch unter Handschriftlichen Büchern zu finden.

Projekt geht immer weiter

Die Bestände werden kontinuierlich erweitert. Perspektivisch sollen die vorhandenen Datensätze ausführlicher erschlossen werden, sei es durch die Verlinkung der genannten Namen und Orte mit Onlinedatenbanken wie Wikipedia bis hin zur Volltextsuche. Als nächster großer Schritt sollen überdies die Kirchenzeitungen ab 1945 über das digitale Archiv allen Interessierten zum Nachlesen zur Verfügung gestellt werden.